Stadt erhält Landesmittel für Modellprojekt zur Anpassung an den Klimawandel

Mit solchen Messstationen werden über den Sommer im Stadtgebiet Temperaturen und Luftströme für die Singener Klimaanalyse ermittelt (Foto: Ökoplana, Karlsruhe).

Messungen für Singener Klimaanalyse haben begonnen

Mit der Messung von Temperaturen und Luftströmungen an verschiedenen Stellen in der Stadt hat das von der Stadt Singen beauftragtes Fachbüro begonnen, Grundlagen für eine stadtweite Klimaanalyse zu erheben. Die Messungen werden noch den ganzen Sommer über durchgeführt. Die Stadt unterm Hohentwiel gehört zu den ersten kleineren Städten in Baden-Württemberg, für die eine solche Klimaanalyse erstellt wird. Dafür erhält die Stadtverwaltung Fördermittel aus dem Landesprogramm „Klimopass“. Die Klimaanalyse soll Erkenntnisse liefern, was der Klimawandel für Singen bedeutet und wie die Stadt darauf reagieren kann. Besonders dort, wo dicht bebaut ist, viele Flächen versiegelt sind und wenig Bäume stehen, können sich zum Beispiel Stadtbereiche im Sommer so aufheizen, dass sie für die Bevölkerung zur Belastung werden. Chronisch Kranke, ältere Menschen und Kinder sind davon mehr betroffen, weil sich ihr Körper schlechter an die Umstände anpassen kann.

„Singen steht vor der Herausforderung, Wohnraum schaffen zu müssen. Die neuen Gebäude sollen aber nicht dazu beitragen, dass sich die Stadt weiter aufheizt oder sich die Frischluftversorgung der Bevölkerung verschlechtert“, so der städtische Klimaschutzmanager Markus Zipf. Auch sollten Altenheime, Kindergärten oder Schulen nicht gerade in Bereichen stehen, die sich im Sommer stark aufheizen. „Wir möchten auch erarbeiten, wo und wie wir bestehende Gebäude und die Umgebung kühlen müssen“. Kühlen bedeutet dabei zum Beispiel Dächer oder Fassaden zu begrünen, Plätze zu entsiegeln, Bäume zu pflanzen oder Wasserläufe anzulegen. Eine ganz andere Herausforderung sei der Umgang mit den inzwischen häufigeren Starkregen und Unwettern. „Hier sind im Grunde weitere Untersuchungen notwendig, mit der aktuellen Klimaanalyse zielen wir vor allem auf die Themen Hitze und Frischluft“, so Zipf.

Zwei Quartiere sollen vertieft untersucht werden. Hier werden konkrete Vorschläge entwickelt, wie etwa die Höhe und Stellung neu zu bauender Häuser, die energetische Sanierung bestehender Gebäude, die Anlage von kleinen Parks oder die verstärkte Einbindung von Elektromobilität verhindern können, dass der Klimawandel für die dort wohnenden Menschen zur Belastung wird. Mit den Ergebnissen der Klimaanalyse und einem umfangreichen Kartenwerk, das Grundlage für die künftige Stadtplanung und wertvolle Entscheidungshilfe für den Gemeinderat sein soll, ist bis zum Frühsommer 2018 zu rechnen.

Für Rückfragen steht der Klimaschutzmanager der Stadt Singen, Markus Zipf (Julius-Bührer-Straße 2, Telefon 07731 85-316, E-Mail: markus.zipf@singen.de) gerne zur Verfügung.

Hintergrund
KLIMOPASS nennt sich das Förderprogramm des Landes Baden-Württemberg, das Modellprojekte fördert, die die Auswirkungen des Klimawandels untersuchen und geeignete Maßnahmen an dessen Anpassung entwickeln. Aus diesem Programm hat nun die Stadtverwaltung den Zuschlag für 60.000 Euro erhalten. Damit soll in Singen untersucht werden, wie sich der erhöhte Druck Wohnungen zu bauen und ein gesundes Stadtklima vertragen.

Unter Klimawandel werden die Veränderungen verstanden, die vor dem Hintergrund steigender Durchschnittstemperaturen bereits stattfinden oder stattfinden werden. Bekannte Auswirkungen sind weltweit zu beobachtenden Extremereignisse wie etwa Hitzewellen mit der Folge von Dürren, Ernteausfällen und Hitzetoten, das Abschmelzen von Polkappen und Gletschern, Stürme und Starkregen mit der Folge von Überschwemmungen und Infektionskrankheiten oder der Ausbreitung neuer Pflanzenarten mit hohem Allergiepotenzial.

Die internationale Forschergemeinschaft ist sich inzwischen einig, dass der Klimawandel menschengemacht ist und in unmittelbarem Zusammenhang steht mit dem Ausstoß von Treibhausgasen, der überwiegend durch die Nutzung fossiler Energiequellen wie Öl und Gas entsteht. Wesentliche Anteile am Klimawandel hat auch die Landwirtschaft mit ihrem Düngereinsatz und ihrer hohen Fleischproduktion. Zu den wesentlichen Treibhausgasen zählen Kohlendioxid, Methan und Lachgas. Neben dem Klimaschutz, der auf die Vermeidung von Treibhausgasemissionen zielt, stellt die Anpassung an den Klimawandel eine zusätzliche Herausforderung an die Weltgemeinschaft dar.