Kiesabbau im Dellenhau: Drei Rathauschefs schreiben an Minister Hauk

Der geplante Kiesabbau im Dellenhau stößt auf großen Widerstand in der Bürgerschaft der drei Kommunen Singen, Gottmadingen und Rielasingen-Worblingen Mit einem Brief an Landwirtschaftsminister Peter Hauk appellieren nun Oberbürgermeister Häusler, Gottmadingens Bürgermeister Dr. Michael Klinger sowie Bürgermeister Ralf Baumert aus Rielasingen-Worblingen an den Minister, das Vertragsverhältnis mit dem Kiesunternehmen aufzulösen. Es gebe gute Gründe gegen eine Genehmigung, heißt es in dem Schreiben an den Minister. Das Kieswerk Birkenbühl hatte nämlich bereits einen Optionsvertrag mit dem Land Baden-Württemberg geschlossen, der die für den Kiesabbau benötigte Waldfläche auf der Gemarkung der Gemeinde Hilzingen gehört.

Singen, Gottmadingen und Rielasingen-Worblingen stellen mit insgesamt rund 70.000 Einwohnern den größten Teil (90 Prozent) der von diesem Vorhaben betroffenen Bevölkerung. Der Widerstand in den genannten Kommunen gegen das Projekt wird von Tag zu Tag größer. Die Bürgerinitiative „Nein zum Kiesabbau“ konnte bereits 5.000 Unterschriften sammeln - und täglich erreichen neue Listen die Rathäuser. Auch in Singen hatte Oberbürgermeister Bernd Häusler eine Unterschriftenliste mit rund 180 Singener Bürgern, zum größten Teil Bewohner des Wohngebietes Twielfeld (die unmittelbar von der geplanten Kiesgrube betroffen wären) überreicht bekommen.

Das Gewann Dellenhau liege im Landschaftsschutzgebiet „Hegau“. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Wohngebiet und mit dem Hegau-Klinikum auch eines der größten Zentralkrankenhäuser Badens. „Nach dem Regionalplan kann ein Abbau in einem solchen Sicherungsgebiet ohne Änderung des Regionalplans nicht zugelassen werden“, heißt es in dem Schreiben der drei Gemeindespitzen.

Daher sei es auch kaum für die Bürgerschaft der Region nachvollziehbar, dass Flächen, die im Regionalplan als Sicherungsgebiet für künftige Generationen bewahrt werden sollen, nunmehr aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgebeutet werden. „Kies ist ein endlicher Rohstoff, den wir für unsere Bauindustrie, auch für die nächsten Generationen vorhalten müssen“, betonen OB Häusler und die beiden Bürgermeister Baumert und Klinger.

Als Argument dafür verweisen sie auf das Rohstoffsicherungskonzept des Landes. Darin heißt es nämlich unter anderem, dass Flächen ohne nachhaltige Ergiebigkeit langfristig geschont werden müssen. Da das Kiesaufkommen im Dellenhau in maximal neun Jahren ausgebeutet sei, könne man wohl kaum von einer Nachhaltigkeit sprechen, geben die drei Autoren des Briefes zu Bedenken.

Für politisch und rechtlich fragwürdig halten die drei kommunalen Spitzenvertreter die Umwandlung des Gewanns Dellenhau von einer Sicherungsfläche, wie es der Regionalplan vorsieht, in ein Vorranggebiet. Erstaunt sei man auch darüber, dass bei der Vergabe der Fläche keine öffentliche Ausschreibung stattgefunden habe, heißt es in dem Brief an den Minister. „Wir halten dies für rechtlich nicht in Ordnung, ja für gesetzeswidrig, und wären Ihnen dankbar, wenn Sie diesen Sachverhalt überprüfen lassen würden“, appellieren die Rathauschefs an den Landwirtschaftsminister. Und weiter heißt es: „Wir möchten Sie bitten, diesen ökologischen Irrweg zu beenden, der sachlich völlig unnötig ist“.


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