25 Jahre Städtepartnerschaft mit Kobeljaki

Es war ein bewegender Vormittag: In der Theresienkapelle wurde am letzten Junitag das 25-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft von Singen und der ukrainischen Stadt Kobeljaki mit einem würdigen Festakt begangen. Zahlreiche geladene Gäste waren gekommen, darunter auch viele Mitglieder des Gemeinderates sowie eine Delegation aus Kobeljaki unter Führung von Landrätin Tamila Schewtschenko. An das Geschehene erinnern, aber auch dabei die Zukunft im Blick zu haben, prägten die Botschaften der zahlreichen Redner des Festaktes.

Carmen Scheide, rührige Partnerschaftsbeauftragte für Kobeljaki, gab in ihrem Vortrag einen Überblick über die Geschichte dieser bedeutsamen Verbindung. Dabei appellierte sie an die Solidarität mit der recht armen Region in der Ukraine. Man müsse weiterhin mit Geld- und Sachspenden die Stadt Kobeljaki unterstützen, denn dort fehle es an so ziemlich allem. Carmen Scheide war bereits öfter vor Ort und hat damit einen guten Überblick, was dort alles gebraucht werde. In den letzten Jahren gab es immer wieder Hilfstransporte in die ukrainische Stadt, wenngleich sich diese allerdings auch oft durch überzogene Zollformalitäten verzögerten.

Ehrenbürger Willi Waibel, der damals die Städtepartnerschaft initiiert hatte, erinnerte an die schwierigen Anfänge und das Misstrauen bei seinem ersten Besuch in der Region Poltawa im Jahr 1990, als die Ukraine noch zur Sowjetunion gehörte und der Kalte Krieg auf seinem Höhepunkt war. Wichtig sei damals für ihn gewesen, den Menschen die Hand zum Frieden und zur Versöhnung zu reichen. Die tragischen Schicksale der vielen Zwangsarbeiter, die in Singen interniert waren, hatte und hat für Waibel eine ganz besondere Bedeutung. Um diese Versöhnung mit den Menschen, die im Hegau durch die Nazis geschunden und ausgebeutet wurden, sei es ihm ganz besonders gegangen, berichtete Willi Waibel, sichtlich gerührt.

Singens Oberbürgermeister Bernd Häusler ging in seinem Grußwort ebenfalls auf dieses dunkle Kapitel der Singener Stadtgeschichte ein. Jeder sechste Einwohner der Stadt sei damals ein Zwangsarbeiter gewesen, so Häusler. 3.000 von ihnen mussten in den Industriebetrieben arbeiten. Dass daher die Partnerschaft mit Kobeljaki eine große Herausforderung war, auch das würdigte Singens Stadtoberhaupt.

OB Häusler dankte in diesem Zusammenhang den Amateurfunkern, die in den Anfängen die Verbindung mit der Ukraine aufrecht hielten. Er selbst habe vor drei Jahren Kobeljaki besucht, berichtete der Oberbürgermeister. Es sei für ihn eine sehr eindrucksvolle Reise gewesen, denn man habe immer noch vereinzelt die kritische Haltung gerade der älteren Menschen dort gespürt, die durch die Deutschen im Krieg menschliche Verluste hinnehmen mussten.

Die ukrainische Landrätin Tamila Schewtschenko gab ihren Dank für die gute Freundschaft zwischen den Städten in ihrer Rede zum Ausdruck. Sie und die Bewohner freuen sich über die große Hilfe aus Singen. Sie bedankte sich sehr für die Unterstützung, die dem Krankenhaus in Kobeljaki bisher zuteil wurde. Mit der Hilfe aus Singen sei das Haus renoviert worden und es konnten neue medizinische Instrumente angeschafft werden. Rotarier Wolfgang Kramer überreichte in diesem Zusammenhang dann eine Spende über 2.500 Euro, die ebenfalls dem Krankenhaus zugutekommen soll. OB Häusler rundete den Betrag im Namen der Stadt auf 4.000 Euro auf.

Schewtschenko betonte, wie wichtig es sei, dass diese gute und lebendige Partnerschaft auch weiterhin Bestand habe. Dies dokumentierte sie mit ihrer Unterschrift unter die neue Partnerschaftsurkunde, die von ihr und OB Häusler dann unterzeichnet wurde. Als Gastgeschenk hatte die Landrätin eine Uhr mit den Bildern beider Städte im Gepäck, die sie dem Oberbürgermeister dann offiziell überreichte.


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