Komödie von Bill C. Davis Regie: Helmuth Fuschl mit Thomas Freitag und Constantin Lücke Theatergastspiele Kempf, Grünwald
Eine höchst ungewöhnliche Thematik für eine Komödie bietet "Der Priestermacher" mit Thomas Freitag, der wiederum in erster Linie als Kabarettist und Stimmenimitator bekannt ist. Als Monsignore Thaddäus soll er einen aufsässigen Seminaristen (Constantin Lücke) auf den rechten Weg führen. Die zentrale Frage in ihrem Streitgespräch lautet: Wie soll man Gott den Menschen nahe bringen? Das kommt äußerst humorvoll und durchaus feinsinnig herüber, auch wenn aus Thomas Freitag zuweilen ein deftig-schwäbischer Zorn herausbricht. Er ist als Monsignore ein Meister der gängigen Phrasen, entlarvt sie aber auch gleich selbst mit einem äußerst hohlen Beiklang. "Wir sind keine Engel, wir machen nur ihren Job", sagt der Monsignore zum Seminaristen. Thaddäus hält sich selbst für pragmatisch. Andere würden sagen, er sei abgebrüht, bequem, ja geradezu faul und liebe vor allem den Rotwein. Der Seminarist ist voller Ideale, aber auch voller Zweifel. Das fordert den Monsignore doch heraus. "Mit dem Stück, das weit über übliches Boulevardtheater hinausreicht und den Finger auf die Wunden der katholischen Kirche legt, landet die Komödie einen weiteren Coup. Nicht nur Freunde spitzzüngigen Kabaretts kommen hier auf ihre Kosten. Dafür sorgen Tempo und Pointen des von Thomas Freitag auf deutsche Verhältnisse zugeschnittenen Textes ebenso wie das Kabarett-Urgestein selbst. Zurück an seine Wurzeln als Schauspieler geht Freitag damit und demonstriert mit Bravour, wie eng Sprechtheater und Kabarett verbunden sind. Zwar gibt er dem Affen Zucker, doch trotz seiner Kabinettstücke eines routinierten Stimmimitators spielt er seinen Kompagnon nicht an die Wand. Auch Constantin Lücke überzeugt als jugendlicher Gegenspieler mit Engelsgesicht, als aufrührerischer Diakon, der das, was er von der Kanzel verkündet, auch zu tun gedenkt", urteilte die "NRZ" nach der Premiere in der Düsseldorfer Komödie in der Steinstraße. Thomas Freitag erhielt 1974 am Stuttgarter Renitenztheater sein erstes Engagement als Schauspieler und Kabarettist. Kay Lorentz holte ihn 1977 an das Düsseldorfer Kom(m)ödchen. Hier spielte er über viele Jahre in zahlreichen Erfolgsproduktionen dieses ältesten deutschen Kabarett-Theaters und in den Inszenierungen "Ende offen" und "Playback" avancierte er zum ersten Duo-Partner der Kabarett-Ikone Lore Lorentz. Darüber hinaus war Thomas Freitag seit 1976 mit bislang 14 Soloprogrammen in ganz Deutschland unterwegs. Kritiker charakterisieren ihn als den "Komödianten unter den Spitzenkabarettisten". Seine schauspielerischen Ambitionen verwirklichte Thomas Freitag zudem in etlichen Fernsehrollen. Neben eigenen TV-Serien war er immer wieder Gast in zahlreichen TV-Produktionen, Shows und Fernsehfilmen. Constantin Lücke spielte am Altonaer Theater, bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen, am Staatstheater Nürnberg und in der Komödie am Kurfürstendamm Berlin Rollen von "Hamlet" bis "Der Blaue Engel". Im Fernsehen war er unter anderem in mehreren Folgen der Serien "Alles was zählt" und "Verbotene Liebe" sowie im Kino zuletzt in dem Film "Gib mir nur ein Jahr" zu sehen. ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
2. INTHEGA-Preis 2001 * Für die Inszenierung von Helmuth Fuschl Aus der Laudatio: Das facettenreiche, in brillanten Dialogen geschriebene Schauspiel „Der Priestermacher" von Bill C. Davis beleuchtet die Auseinandersetzung zweier Menschen im Spannungsfeld vieler Gegensätzlichkeiten. Alt und Jung, Ehrlichkeit und Heuchelei, Pragmatismus und Idealismus prallen aufeinander im Gespräch des katholischen Geistlichen mit dem jungen Seminaristen, dessen rebellische Aufsässigkeit der Priestermacher beugen und den er auf den rechten Weg zu Kirche und Gott führen soll. Das Stück behandelt Grundsätze der katholischen Kirche, ihre Probleme heute, ihre internen Kontroversen. allem aber geht es auch um die Frage des Verhältnisses von Wahrheit und Macht, um Grundfragen, denen man nicht nur in der Diskussion um Dogmen der Kirche begegnet, und das macht das Stück weit über die äußere Thematik hinaus interessant. Es ist gelungen, mit dem Text auch die Psychologie der Figuren zu deuten: Beide machen eine Wandlung durch, die so manch einen Zuschauer überrascht haben dürfte. Die Inszenierung von Helmuth Fuschl (…) und beide Darsteller bescherten dem Publikum in den INTHEGA-Mitgliedsstädten einen vergnüglichen wie diskussionswürdigen Abend, der mancherorts mit Standing Ovation bedacht wurde. So verdiente sich diese Produktion der Theatergastspiele Kempf den zweiten Preis der INTHEGA: (*Interessengemeinschaft der Städte mit Theatergastspielen) Diese Neu-Inszenierung von „Der Priestermacher", wieder in der Regie von Helmuth Fuschl, hatte an der Komödie Düsseldorf am 20.1.2010 Premiere.