
Vom 14. bis 25. Mai ist das Museum wegen Ausstellungsumbau geschlossen!
25. Mai bis 8. Juli 2012
Eckart Hahn - Der schwarze Duft der Schönheit
Bilder und Objekte
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25. Mai bis 16. September 2012
Die Klassiker von der Höri
Otto Dix, Max Ackermann, Erich Heckel, Helmuth Macke, Curth Georg Becker, Walter Herzger u.a.
Ausstellungseröffnung:
Freitag, 25. Mai 2012 um 19.30 Uhr
Eintritt in die Ausstellung:
3.00 Euro regulär
1,50 Euro reduziert
Kinder und Schüler Eintritt frei
ECKART HAHN – DER SCHWARZE DUFT DER SCHÖNHEIT
Gemälde und Objekte
25. Mai – 8. Juli 2012
Manch einer wird mutmaßen, dass das Städtische Kunstmuseum Singen mit seiner Ausstellung: "Eckart Hahn – Der schwarze Duft der Schönheit" auf den aktuellen Trend der zunehmenden Präsentation (foto-)realistisch-phantastischer Malerei aufgesprungen ist. Eckart Hahn aber (*1971 in Freiburg, lebt in Reutlingen) ist ein Maler, der in seinen Gemälden und Objekten wesentlich mehr zu bieten hat, als eine maltechnisch perfekte Zusammenstellung surrealer Motive.
Hahns Bilder und Objekte nehmen uns gefangen, verführen, erzählen irritierende Geschichten, eröffnen Bühnen. Zuerst locken uns die stupende Virtuosität und technische Perfektion seiner Arbeiten ins Bild. Hahns in souverän beherrschter Lasurtechnik aufgetragene und aufgewalzte Farben sind sinnlich – mal leuchtend, mal stumpf, meist kühl. Die Oberflächen der mit feinsten Pinseln ausgemalten Bilder sind glatt. Die gewählten An- und Ausschnitte, Perspektiven, Überschneidungen und auch die Plazierung der Gegenstände in den verschiedenen Bildebenen überzeugen. Die klar umrissenen, in ihrer Künstlichkeit und Stofflichkeit präzis erfassten, komplex verwobenen Bildgegenstände setzt der Maler in Szene. Sie verharren, effektvoll beleuchtet, vor leeren Gründen. Dabei fächert sich das Repertoire der verwendeten Medien in letzter Zeit auf. Die Singener Schau zeigt aktuelle Beispiele: kunsthandwerklich oder technisch anmutende Objekte, raumgreifende Installationen, Leuchtkästen. In diesen materialisiert sich eine Tendenz, die Hahns Gemälden längst eingeschrieben war.
Der klassischen Falle phantastisch-realistischer Malerei – sich in der Virtuosität zu verfangen und nur noch selbstverliebt mit Effekten zu spielen – entgeht Eckart Hahn: "Es ist nicht meine Absicht, technisch perfekte Arbeiten zu erreichen, sondern ich suche im arbeitsaufwändigen Prozess den Arbeiten größte Sinnlichkeit zu geben, die zur inhaltlichen Intensität hinzukommt" (Eckart Hahn). In seinen Arbeiten verbinden sich Fragmente kunsthistorischer Gattungen (Stillleben, Interieur, Herrscherbildnis, Genre- und Historienmalerei) sowie tradierte, vermeintlich mit fester Bedeutung versehene Motive (Kreuz, Draperie, Krähe, Taube, Licht, Rauch usw.) mit den Zeichen unserer neuen Zeit (Smartphones, Explosionen, Plastiktüten, Überwachungskameras usw.). Das Zusammentreffen solch irritierend kombinierter Motive, Zeichen und Bezüge stört den Zusammenklang. Als "kontextuelle Fallen", "Tatorte", die sich kausaler Analyse entziehen, "künstlerische Gegenangriffe", denen ein "ernster, dunkler Ton" eignet, hat man Eckart Hahns Werke beschrieben. Der Maler selbst spricht von "Bildern auf der Kippe", die uns fesseln und schmerzen; Erinnerungen, Wünsche und Verluste gleichermaßen ins Bild setzen. Tatsächlich führt uns der nur scheinbar perfekte Realismus dieser Bilder an die Ränder unserer synthetisierten Wirklichkeit. Hahn schafft, so die Kritik, nicht nur "unheimlich schöne" und "perfekt unbehagliche" Welten – er führt uns die Brüche unserer heutigen Lebenswelt und das Unbehagen an der Kultur vor Augen.
Die bislang größte Einzelausstellung von Eckart Hahn mit Gemälden, Objekten und Installationen aus dem Zeitraum von 2006 bis heute entstand in enger Kooperation mit dem Kunst-palais Erlangen und dem Kunstmuseum Heidenheim.
Eckart Hahn wurde 1971 in Freiburg / Breisgau geboren und lebt heute in Reutlingen. Hahn hat eine Grundausbildung in Photographie und studierte Kunstgeschichte an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen (1990-93). Von 1995 bis 1998 studierte er Graphikdesign an der Johannes-Gutenberg-Schule Stuttgart. Nachdem er in den 1990er Jahren damit kämpfte, dass "niemand figurative Malerei sehen wollte", mutierte er Ende der neunziger Jahre zum Maler, "dessen Name man sich merken muss". Seine Arbeiten befinden sich längst in namhaften Sammlungen. Heute stellt Eckart Hahn im In- und Ausland aus und wird von den Galerie Pablo´s Birthday, New York sowie von den Galerien Rothamel, Erfurt und Frankfurt a.M., und Wagner + Partner in Berlin vertreten.
Katalog zur Ausstellung: Eckart Hahn – Der schwarze Duft der Schönheit. Hg. von Claudia Emmert, Kunstpalais Erlangen. Freiburg (Kehrer) 2011, 120 S., 84 Farbabb., € 30,--. © Christoph Bauer
Die Klassiker von der Höri
Das Zusammentreffen von Moderne und aktueller Kunst, von vergangener und heutiger Avantgarde, ist in den Räumen des Singener Kunstmuseums nichts Ungewöhnliches. Die Kunstvermittler unter dem Hohentwiel verstanden es nach dem Kriege, die Künstler aus und in der Region für die junge Stadt zu interessieren – und setzen diese Tradition bis heute mit der heutigen Ausrichtung des Museums auf die zeitgenössische Kunst in der Euregio Bodensee fort. Die "Singener Kunstausstellungen", die ab 1947 bis Anfang der 1970er Jahre regelmäßig in Singen veranstaltet wurden, boten den in nationalsozialistischer Zeit verfemten Künstlern auf der Höri, eine erste Plattform nach dem Kriege. Unter der Ägide des in Singen geborenen Malers Curth Georg Becker (1904-1972), der der französischen und rheinischen Avantgarde verbunden war, wurde aus der regionalen Schau schnell eine internationale, weit ausstrahlende, bald auch grenzüberschreitende Kunstausstellung, in der große Namen der 1950er und –60er Jahre vertreten waren. Die Stadt kaufte an, vergab Aufträge für Wandbilder, Glasfenster, Majoliken, Plastiken und Skulpturen und Singen wurde zur Stadt moderner Kunst auf der deutschen Seite des Sees. Die angewachsene Sammlung wurde zum Grundstock des 1990 eröffneten Städtischen Kunstmuseums Singen. Aus dieser Sammlung zeigt das Museum nun eine repräsentative Auswahl an Werken von Max Ackermann, Otto Dix, Erich Heckel, Helmuth Macke, Curth Georg Becker, Walter Herzger, Jean Paul Schmitz, Ferdinand Macketanz und weiterer Höri-Maler.
Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten setzte 1933 die Diffamierung aller moderner, abstrakter wie expressiver Kunst als "entartet" ein. Ideologischer Druck, und die Nähe zur Schweiz, später auch die Not in den vom Luftkrieg bedrohten Städten und die bessere Versorgungslage bewog zahlreiche Künstler und deren Familien an den westlichen Bodensee zu flüchten. Die Halbinsel Höri wurde, auch der Nähe zur Schweiz wegen, ein bevorzugtes Refugium. Walter Kaesbach, der entlassene Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie, der sich in Hemmenhofen niedergelassen hatte, war der entscheidende Mittler. Die Schicksalsgemeinschaft der in der "inneren Emigration" lebenden Maler machte die Höri als Künstlerort berühmt und setzte die wesentlich von Hermann Hesse gestiftete Tradition fort.
Wer also einen Einblick von den Höri-Malern gewinnen möchte, der darf nicht nur auf die Höri, sondern muss auch nach Singen fahren. Das Singener Kunstmuseum hat sie alle – und zeigt sie mit ausgewählten Werkkonvoluten; eingebettet in ihren Umkreis (Julius Bissier, Heinrich Nauen u.a.) und ergänzt um den Kunstpfad "SkulpTour", der, werktags, zu den Werken in Singens öffentlichem Raum (z.B. Wandbild "Krieg und Frieden" von Otto Dix im Rathaus) führt. In die Ausstellung eingebunden ist auch eine kleine Hommage zum 100. Geburtstag des unvergessenen letzten Höri-Malers Rudolf Stuckert (1912-2002).
"Die Klassiker von der Höri" sind, weit über die Ausstellung "Eckart Hahn – Der schwarze Duft der Schönheit" hinaus und parallel zur Schau "Bert Jäger (1919-1998) – Fotografie" (ab 22. Juli), über den ganzen Sommer hinweg bis zum 16. September 2012 zu sehen.