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Karl Oßwald 1925-72 - Ein Spätexpressionist
Wann:
Fr 18.06.2010

So 05.09.2010
 
 
Wo:
Städtisches Kunstmuseum Singen
Ekkehardstr. 10
78224 Singen
 
Öffnungszeiten:
Dienstag: 10 bis 12 und 14 bis 18 Uhr, Mittwoch bis Freitag: 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag: 11 bis 17 Uhr, Feiertag wie Wochentag
 
Eintrittspreis:
3 € / 1,50 € ermässigt
Veranstalter: Kunstverein Singen - Städtisches Kunstmuseum Singen
++ http://www.kunstmuseum-singen.de
Tel: 07731/85271 ++ kunstmuseum.stadt@singen.de


KARL OßWALD (1925 – 1972)
EIN SPÄTEXPRESSIONIST

Malerei, Zeichnung, Druckgraphik 
Eine Ausstellung des Kunstvereins Singen im Städtischen Kunstmuseum Singen 

19. Juni – 5. September 2010  

Das Jubiläumsjahr 2010 – 50 Jahre Kunstverein Singen – verbindet der Verein mit einer Retrospektive zum 85. Geburtstag von Karl Oßwald – ein Maler, dessen Werk der Kunstverein Singen wiederholt vorgestellt hat. Bevor der Kunstverein zum Jahresende mit der >SingenKunst 2010< sein Engagement für die zeitgenössische Kunst im westlichen Bodenseeraum unterstreicht, verdeutlicht er mit der Neuvorstellung des Spätexpressionisten Karl Oßwald den zweiten Schwerpunkt seiner kunstvermittelnden Arbeit: Beiträge zur Neurezeption solcher Oeuvres zu leisten, denen er sich in seiner 50jährigen Ausstellungstätigkeit verbunden weiß. 

Heutigen Besuchern fällt es nicht leicht, Künstlern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, deren Werke sich in schwieriger Zeit und nur gegen Widerstände entwickelt haben, welche sich von der Situation heute und vom aktuellen Kunstbetrieb grundlegend unterscheiden. 

Da ist zuerst der biographische Unterschied: Karl Oßwald, am 22. Februar 1925 in Riedheim (Hegau) geboren, gehört zur „verlorenen Generation“, die durch Nationalsozialismus, Fronteinsatz, Verwundung, Gefangenschaft und Nachkriegsnot (1943–1946) nicht nur ihre Jugend und Gesundheit verloren, sondern auch zahlreicher Möglichkeiten beraubt wurde. Der früh am Singener Gymnasium (1937–43) erwachte Wunsch, Maler zu werden, konnte in materiell schwieriger Zeit erst nach erfolgreich abgelegtem Nachkriegsabitur (1946/47) verwirklicht werden. Von 1948 bis 1952 studierte Oßwald an der eben erst wiedereröffneten Karlsruher Kunstakademie. Die Begegnung mit dem Expressionismus der rehabilitierten Vorkriegsmoderne und die künstlerische Haltung seiner Lehrer wurde für ihn, wie für viele junge Maler der ersten Nachkriegsdekade, prägend. Wilhelm Schnarrenberger (1892–1966) und Walter Becker (1893–1985), Fritz Klemm (1902–1990) und Erich Heckel (1883–1970) schulten Oßwalds Auge für die Auseinandersetzung mit der deutschen und französischen Moderne, für die Verwendung kraftvoller, ungewöhnlicher Farbkontraste und die Steigerung der expressiven Stilmittel, für den differenzierten Einsatz unterschiedlichster malerischer und graphischer Techniken. Und sie bestärkten ihn darin, der Landschaft und der Figur treu zu bleiben. In der relativ kurzen Zeitspanne, die ihm von 1952 bis zu seinem frühen Tod 1972 (an den Folgen einer allzu spät erkannten Gelbsucht) blieben, ertrotzte sich Karl Oßwald neben dem Schuldienst (1952–64) ein Oeuvre, das sich auf die Auseinandersetzung mit der eigenen Lebenswelt konzentrierte: Landschaften des Breisgaus, des Hegaus, des Bodensees, Portraits und Figurenbilder aus seinem Umkreis. 

Bald schon wird der in die Heimat zurückgekehrte, fern den Kunstzentren arbeitende Maler vor Ort geschätzt – und von der allgemeinen Kunstentwicklung überholt. So kann man den Spätexpressionisten Oßwald auch den Malern der „verschollenen Generation“ zuordnen. Der deutsch-deutsche Konflikt, der – vor dem Hintergrund des größeren Ost-West-Konflikts – den Streit um das Menschenbild und die Freiheit der Kunst zum ideologischen Gegensatz: >Expressionismus und Realismus versus Ungegenständlichkeit und Abstraktion< ausweitete, aber auch der Siegeszug der abstrakten Kunst in der Bundesrepublik Ende der 1950er Jahre, ließ die späten Expressionisten in den Augen der Kritik „alt“ aussehen. Aus dem „großen“ Kunstbetrieb verdrängt, wurden sie verwiesen auf ein Wirken in engen räumlichen Bezügen. Und hier, in einer Region ohne große Sammler und Mäzene, waren die Zumutungen an die Künstler dann am größten, wenn sie sich, in Hinblick auf Verkäufe, gezwungen sahen, Erwartungen des Publikums zu berücksichtigen. Karl Oßwald suchte sich zu entziehen – gestützt auf den Schuldienst und die Herausgabe graphischer Blätter. Es gilt also zwischen freien Arbeiten und Auftragswerken zu unterscheiden, damit die Chance der nachmodernen Situation – das Freiwerden des Blicks auf die individuelle, künstlerische Lebensleistung des Spätexpressionisten Karl Oßwald – (wieder) möglich wird. 

Die Ausstellung in den Räumen des Städtischen Kunstmuseums Singen versammelt rund 80 Gemälde, Zeichnungen und Druckgraphiken aus privatem und öffentlichem Besitz zu einer Werkschau, welche die besonderen Qualitäten dieses Oeuvres zu vermitteln sucht:

  • Oßwalds intensive Auseinandersetzung mit dem Thema >Landschaft< – vom Panoramabild bis hin zu Nahsichten,
  • die starke formale Verdichtung und Übersteigerung vieler Motive,
  • eine kraftvolle, gesteigerte Farbigkeit, welche den Raum strukturiert und viele seiner Werke von anderen Spätexpressionisten unterscheidet,
  • das Durchspielen zahlreicher Bildfindungen in wechselnden, lustvoll erprobten Techniken,
  • und die Beobachtung, dass Oßwald persönliche Haltungen und Brechungen in seine Motive „einkleidet“ (Masken, Wolkenformationen, Bäume usw.) 

Um die Ausstellung in einen zeittypischen Kontext einzuordnen, zeigt das Städtische Kunstmuseum Singen, entwickelt aus eigenen Beständen, zeitgleich im Erdgeschoß die Ausstellung: „Künstler der Höri – in Singen“. Sie ermöglicht aufschlußreiche Vergleiche der Werke Karl Oßwalds z.B. mit Arbeiten von Otto Dix (1891–1969), Erich Heckel oder Wilhelm Schnarrenberger. 

Zur Ausstellung liegt vor:

Paul Gönner (Hg.): Karl Oßwald. Malerei, Zeichnung, Druckgraphik.
Hilzingen 1998. 335 Seiten, 153 Abb., EUR 28,--.  

Zugleich im Erdgeschoss: 

Künstler der Höri – in Sngen  


                                       
Vortrag: Dr. Andreas Gabelmann, Kunsthistoriker

Donnerstag, 1.07.2010, 19.30 Uhr           
„Ich muß zeichnen bis zur Raserei....“Ernst Ludwig Kirchner. Ein Künstlerleben in Zitaten und Selbstbildnissen  

Mit freundlicher Unterstützung: Sparkasse Singen-Radolfzell und thüga energie Gas- und E-Werk Singen 

Museumspädagogik und Führungen siehe:
http://www.kunstmuseum-singen.de/

Pressefotos abrufen:
http://www.kunstmuseum-singen.de/ unter "Ausstellungen"


Für Termine und Daten übernehmen die Stadt Singen
und die Betreibergesellschaft inCITI Singen GmbH keine Haftung


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